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Kolumne 09/2019


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

"Weg vom alten Prinzip" und "Jeder allein? - Geht auf Dauer nicht" lauteten letzte Woche zwei Schlagzeilen in der heimischen Presse. Anlass war ein Pressegespräch, an dem neben Landrätin Anita Schneider und mir auch meine Kollegen Bernd Klein aus Lich und Dr. Bernd Wieczorek aus Lollar teilnahmen. Hintergrund dieses Gespräches ist die derzeitige Planung der Landesregierung, die noch gültige Einteilung der hessischen Kommunen in Ober-, Mittel- und Grundzentren neu zu ordnen. Dieses Ansinnen begrüßen wir. Nach knapp 20 Jahren und angesichts des demografischen, sozialen und ökonomischen Wandels ist eine Überprüfung der bisherigen Zentrale-Orte-Systems mehr als sinnvoll.

Allerdings reicht dabei eine Fortschreibung des alten Systems nicht. Die Strukturen gerade in unserem Landkreis haben sich in den letzten 20 Jahren gewaltig verändert. Die derzeitige Konzeption hat mit den realen Prozessen urbaner Entwicklung nicht mehr wirklich viel zu tun. Was früher sinnvoll war, ist heute längst überholt. Bestes Beispiel hierfür sind die Städte Lollar und Staufenberg. Noch vor 20 Jahren waren sie mit ihren je vier Stadtteilen eher dörflich geprägt und mehr für sich alleine zuständig. Da passte die Einteilung als Grundzentren sicher noch. Heute jedoch sind zum einen die Ortsteile der Städte in großen Teilen zusammengewachsen und zum anderen nehmen beide Städte als zentrale Orte viele Aufgaben auch für die Kommunen im oberen Lumdatal und darüber hinaus wahr. So bieten beide Kommunen beispielsweise in ihren Gewerbegebieten Arbeitsplätze für das Umland an. Weiter gibt es in beiden Kommunen medizinische Zentren, Pflegeeinrichtungen und konzentrierte Einkaufs- Dienstleistungszentren, die von Bürgern des oberen Lumdatal ebenso wie von Bürgern des Marburger Landes in Anspruch genommen werden, was alleine schon die vielen Autos mit "MR-Kennzeichen" auf dem Parkplatz unserer Vitalen Mitte belegen.
Weiter sichern wir über unseren Wasser- und Abwasserverband ZLS alle Rückhaltebecken entlang der Lumda. Das von beiden Kommunen unterhaltene Hallenbad wird von allen Schulen im Lumdatal in Anspruch genommen. Mit der Clemens Brentano Europa Schule wird zudem an der Nahtstelle beider Kommunen die zentrale Bildungseinrichtung des Lumdatal unterhalten. Und in naher Zukunft werden wir mit der neuen gemeinsamen Grundschule hier bei uns in Staufenberg die zentrale Grundschule für alle Integrationskinder des Tals vorhalten.

Lollar und Staufenberg sind also die zentralen Orte für die Versorgung des gesamten Lumdatal. Damit wir diese zentralen Versorgungsleistungen auch zukünftig noch erledigen können, bedarf es aber einer ausreichenden Finanzausstattung. Und hieran hapert es derzeit. Als Grundzentren erhalten Lollar und Staufenberg nicht die ihren Leistungen entsprechenden Gelder. Dies muss sich bei der nun vom Land angedachten Neueinteilung der Kommunen ändern. Dabei gilt es die Kommunen nicht länger in ein mehr oder weniger starres System zu zwängen. Vielmehr ist ein Blick auf die verschiedenen Funktionen der Kommunen wichtig. Die entscheidende Frage lautet dabei: Welche Kommunen leisten was und für wen? Wenn sich die Verantwortlichen im Wiesbadener Wirtschaftsministerium diese Frage stellen, werden sie in Bezug auf Lollar und Staufenberg sehr schnell zu der Erkenntnis kommen, dass beide Kommunen als zentrale Orte Versorgungsleistungen in einem erheblichen Umfang für das ganze Lumdatal und darüber hinaus übernehmen, was zwangsläufig zu einer besseren Finanzausstattung beider Kommunen führen muss.

Bestes Beispiel für die Zentrale-Orte-Funktion von Lollar und Staufenberg bot die am letzten Wochenende von den Fördervereinen Lollar und Staufenberg der Diakoniestation Lumdatal nun schon zum dritten Mal ausgerichtete Gesundheitsmesse. Erstmals fand diese im Bürgerhaus Lollar statt, was ich sehr begrüßt habe. Auch im Gesundheitswesen müssen das Land aber auch die Kassenärztliche Vereinigung von den starren Vorgaben wegkommen. Lollar und Staufenberg sind gerade im Bereich der medizinischen Versorgung zentrale Orte für das gesamte Umland. Deshalb gehören hier neben Allgemeinmedizinern auch Fachärzte hin. Dies wird aber nur geschehen, wenn beide Kommunen als zentrale Orte anerkannt und finanziell ausgestattet werden.

Losgelöst von dieser politischen Forderung bin ich den Verantwortlichen der Fördervereine der Diakoniestation Lumdatal dankbar, dass sie erneut eine Gesundheitsmesse auf die Beine gestellt haben, die nach Ansicht des SPD-Landtagsabgeordneten Frank-Thilo Becher fast als Fachkongress bezeichnet werde konnte. Dankbar bin ich den Verantwortlichen mit unserem Ehrenbürgermeister Horst Münch an der Spitze aber auch deshalb, weil gerade sie mit ihrer aktiven Zusammenarbeit uns allen mehr als eindrucksvoll zeigen, dass wir zukünftig im Lumdatal und ganz speziell in den Städten Lollar und Staufenberg vieles, wenn nicht gar alles, nur gemeinsam werden lösen können.

Uns allen ist bewusst, dass man einen Menschen im Fall einer Störung nicht einfach wie eine Maschine reparieren kann. Schnell ein Teil auswechseln oder eine Schraube festdrehen - so einfach funktioniert das beim menschlichen Organismus nicht. Dazu ist er zu sensibel und zu kompliziert aufgebaut, dazu reagiert er zu fein auf alle möglichen Einflüsse aus der Umwelt. Gesünder leben lautet deshalb die Devise.

Gerade hierfür hatten die Fördervereine Lollar und Staufenberg der Diakoniestation Lumdatal für die diesjährige Gesundheitsmesse ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Mehr als beeindruckend waren alleine schon die Reihe der Vorträge und die hohe Qualität der Vortragenden. Nicht minder beeindruckend war die Anzahl der Aussteller.
Mit ihren Spenden helfen die Fördervereine nun schon seit vielen Jahren den oft allein stehenden Pflegebedürftigen ein wenig in ihrem alltäglichen Leben. Ich bin mir sicher, ohne ihre Fördervereine könnte die Diakoniestation Lumdatal ihr vielfältiges Leistungsangebot nicht oder zumindest nicht in dieser Breite aufrechterhalten. Deshalb gebührt an dieser Stelle den Verantwortlichen der Fördervereine ein ganz dickes Lob und eine große Anerkennung für ihre ehrenamtliche Arbeit. Macht bitte weiter so!

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Peter Gefeller
Bürgermeister


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